Der 0DTE Report: Juli 2026
Neue Volumenrekorde beim SPX-0DTE-Handel, ein Volatilitäts-Comeback in der zweiten Monatshälfte, ein DAX-Allzeithoch und die erste Bilanz nach dem Wegfall der Pattern-Day-Trader-Regel. Die Ausgabe fasst den Monat neutral und belegt zusammen, ohne Handelssignal.
Der 0DTE-Handel wächst 2026 weiter auf Rekordniveau: Im Juni wurden erstmals im Monatsschnitt 3,3 Mio. SPX-0DTE-Kontrakte pro Handelstag gehandelt, über alle Produkte liegt das 0DTE-Volumen bei mehr als 20 Mio. Kontrakten täglich. Der Juli brachte dazu die Rückkehr der Volatilität: ruhiger Start, dann zwei Schübe über Chip-Werte und den Ölpreis.
Diese erste Ausgabe deckt den Zeitraum bis zum 24.07.2026 ab. Alle Kennzahlen tragen Quelle und Datum, eigene Berechnungen sind als rechnerisch gekennzeichnet. Was der Report ist und wie er entsteht, erklärt die Report-Übersicht; das Fundament zu den Kontrakten liefert die Startseite zu 0DTE Optionen.
Rekordvolumen trifft auf zurückkehrende Volatilität. Der SPX notierte bis zum 24.07. rechnerisch rund 1,2 % unter dem Juni-Schluss und blieb ohne neuen Rekord, der DAX markierte am 06.07. ein Allzeithoch bei 25.900 Punkten intraday. Der VIX stieg von rund 15 auf ein Vier-Wochen-Hoch, ausgelöst durch den Chip-Abverkauf Mitte des Monats und den Ölpreissprung nach der Iran-Eskalation am 23.07. Beim 0DTE-Volumen setzte die CBOE im Juni und im zweiten Quartal neue Rekorde.
Marktumfeld: SPX ohne neuen Rekord, DAX mit Allzeithoch
Der S&P 500 startete mit 7.499,36 Punkten (Schluss 30.06.) in den Monat und näherte sich in der ersten Juli-Woche dem Rekordschluss vom 02.06.2026 (7.609,78) bis auf rund ein halbes Prozent, ohne ihn zu erreichen. Danach drehte der Markt in zwei Schüben nach unten: Mitte des Monats belasteten Chip- und KI-Werte, am 23.07. folgte mit -1,21 % auf 7.408,30 die größte Tagesbewegung des Monats. Zum 24.07. stand der Index bei 7.411,98 Punkten, rechnerisch rund 1,2 % unter dem Juni-Schluss.
Die Inflationsdaten stützten zunächst: Der US-Verbraucherpreisindex für Juni fiel saisonbereinigt um 0,4 % zum Vormonat, die Jahresrate lag bei 3,5 % (BLS, 14.07.2026). Der Zinsentscheid der US-Notenbank am 29.07. fällt nach dem Datenstand dieser Ausgabe.
In Europa lief es zweigeteilt: Der DAX setzte seine Rekordserie zum Monatsauftakt fort und markierte am 06.07. ein Allzeithoch bei 25.900,10 Punkten intraday (Rekordschluss 25.817,89), gab im Zuge der US-Schwäche bis zum 23.07. aber auf rund 25.150 Punkte nach.
Volatilität: ruhiger Start, zwei Schübe zum Monatsende
Der VIX bewegte sich im Beobachtungszeitraum zwischen rund 15 und knapp 21. Bis zur Monatsmitte notierte er nahe dem unteren Rand; in der Woche zum 20.07. stieg er um 8,7 % auf 18,65, am 23.07. erreichte er das höchste Niveau seit einem Monat und schloss am 24.07. bei 18,58. Zur Einordnung: In der Eskalationsphase im März 2026 lagen die Schlusskurse noch über 26.
Der schärfste Kontrast lag zwischen Aktien- und Ölmarkt: Während die Aktienvolatilität unter 21 blieb, notierte der Öl-Volatilitätsindex OVX nahe 65, das Drei- bis Vierfache des VIX. Der Stress konzentrierte sich also auf den Energiemarkt und schwappte nur gedämpft auf den Aktienmarkt über. Für den Handel am Verfallstag heißt ein VIX-Anstieg von 15 auf 19 zweierlei: höhere Prämien, aber auch größere Tagesbewegungen. Warum beides zusammengehört, erklärt der Glossar-Eintrag zur impliziten Volatilität.
Für den VIX1D, den Ein-Tages-Volatilitätsindex der CBOE, lagen zum Redaktionsschluss keine belastbaren Juli-Verlaufsdaten aus freien Quellen vor; er wird in der nächsten Ausgabe nachgezogen, sobald die Monatsdaten verfügbar sind.
0DTE-Volumen: neue Rekorde bei CBOE
Die CBOE meldete für den Juni einen Monatsrekord von 3,3 Mio. SPX-0DTE-Kontrakten pro Handelstag. Auch das zweite Quartal insgesamt setzte Bestmarken: 3,1 Mio. 0DTE-Kontrakte täglich bei 5,1 Mio. SPX-Kontrakten insgesamt, dazu ein Tagesrekord von 7,8 Mio. SPX-Kontrakten am 05.06.2026. Rechnerisch entfielen damit im zweiten Quartal rund 61 % des SPX-Volumens auf 0DTE; die jüngste von der CBOE selbst ausgewiesene Anteilszahl bleibt der Rekord von 63 % aus dem Februar 2026. Zur Einordnung: 2025 lag der Anteil im Jahresschnitt bei 59 % mit 2,3 Mio. Kontrakten pro Tag.
Über alle Produkte hinweg beziffert die CBOE das 0DTE-Volumen auf mehr als 20 Mio. Kontrakte pro Tag, ein Plus von 46,2 % seit Jahresbeginn. Der SPX stellte im zweiten Quartal 81 % des gesamten Index-Optionshandels; das SPX-0DTE-Volumen hat sich seit Anfang 2024 nahezu verdreifacht. Der US-Optionsmarkt insgesamt erreichte 72,8 Mio. Kontrakte pro Tag (+19 % zum Vorjahr).
Wichtig beim Zahlenvergleich: Die FINRA weist für 2025 aus, dass 0DTE-Kontrakte rund 30 % aller US-Options-Transaktionen ausmachten. Diese Zahl misst den gesamten US-Optionsmarkt über alle Basiswerte und ist nicht mit dem 0DTE-Anteil am SPX-Kontraktvolumen (59 bis 63 %) zu verwechseln. Was hinter den Kontrakten steckt, erklären die Grundlagen.
Retail kehrt zurück: das Ende der Pattern-Day-Trader-Regel
Die für 0DTE relevanteste Regeländerung des Jahres wurde am 04.06.2026 wirksam: Die US-Aufsicht FINRA ersetzte die alte Pattern-Day-Trader-Regel, die Daytrading unter 25.000 USD Kontogröße stark einschränkte, durch eine Intraday-Margin-Anforderung (Übergangsfrist bis 20.10.2027). Kleinere Konten können damit wieder unbegrenzt Intraday-Positionen handeln, ausdrücklich auch 0DTE.
Die CBOE nennt diese Änderung in ihrer Quartalsbilanz als einen Treiber der wieder gestiegenen Privatanleger-Aktivität; institutionelle Adressen handelten zugleich knapp 10 Mio. Kontrakte täglich in Blocktrades. Bereits im April hatte die SEC dem Thema einen eigenen Roundtable zur Options-Marktstruktur gewidmet, in dessen Begleitbericht der Aufstieg des 0DTE-Handels behandelt wird.
Für Anleger aus Deutschland wirkt die PDT-Änderung nur mittelbar über US-Broker; die hiesigen Rahmenbedingungen (PRIIPs, Produktzugang) behandelt der Bereich 0DTE aus Deutschland.
EUREX-Tagesoptionen: OEXP etabliert, ODAP bleibt Nische
Die Tagesoption auf den EURO STOXX 50 (OEXP) hat seit ihrem Start im August 2023 insgesamt 21,6 Mio. Kontrakte umgesetzt und kommt zuletzt auf rund 31.000 Kontrakte pro Tag bei 92 aktiven Handelsteilnehmern (EUREX, Stand Mai 2026). In der Januar-Statistik war sie mit 879.178 Kontrakten das viertaktivste Index-Optionsprodukt der EUREX, rechnerisch rund 4,4 % des Volumens der klassischen EURO-STOXX-50-Option.
Die DAX-Tagesoption (ODAP) bleibt mit 1,5 Mio. Kontrakten seit Start und rund 2.300 Kontrakten pro Tag deutlich kleiner. Auffällig ist ihr Verfallsprofil: 62 % des ODAP-Volumens entfallen auf den 0DTE-Verfall, bei der OEXP sind es nur 22 %. Wer die DAX-Tagesoption handelt, handelt sie also überwiegend am Verfallstag selbst. Seit dem 05.01.2026 deckt die EUREX beim EURO STOXX 50 zudem 10 aufeinanderfolgende Handelstage mit Verfällen ab.
Das Gesamtbild der Börse war stark: Im Juni handelte die EUREX 236,6 Mio. Kontrakte (+32 % zum Vorjahr), davon 72,7 Mio. in Index-Derivaten. Produktdetails und Kontraktspezifikationen stehen im Bereich DAX Tagesoptionen (ODAP).
Die auffälligen Tage des Monats
| Datum | Ereignis | Marktreaktion |
|---|---|---|
| 06.07. | DAX-Rekordschluss 25.817,89, intraday 25.900,10 | Dritter Rekordtag in Folge, starker Monatsauftakt in Europa |
| 14.07. | US-Verbraucherpreise Juni: -0,4 % zum Vormonat, +3,5 % zum Vorjahr | Kein Inflationsschock, Markt hielt das Niveau nahe dem Juni-Rekord |
| 16./17.07. | Abverkauf bei Chip- und KI-Werten (TSMC-Ausblick, Alphabet-Bericht) | SPX auf Wochensicht -1,6 %, Nasdaq -2,9 % |
| 23.07. | Ölpreissprung Richtung 100 USD (Brent) nach Iran-Eskalation, dazu KI-Capex-Sorgen | SPX -1,21 % (größte Tagesbewegung im Juli), VIX auf Vier-Wochen-Hoch |
Solche Tage zeigen das doppelte Gesicht des Verfallstags-Handels: Ereignisse wie der 23.07. bringen die großen Intraday-Bewegungen, an denen gekaufte Optionen ihren Wert vervielfachen können und Stillhalter-Positionen unter Druck geraten. Wie asymmetrisch beides wirkt, behandelt der Bereich Risiko.
Was im August ansteht
Nach dem Datenstand dieser Ausgabe folgt am 29.07. der Zinsentscheid der US-Notenbank. Anfang August veröffentlicht die CBOE ihre Juli-Volumenstatistik, dann zeigt sich, ob die 0DTE-Rekordserie auch im Juli gehalten hat. Dazu läuft die Berichtssaison der großen Technologiewerte weiter, deren Kapitalausgaben-Prognosen im Juli zweimal für Bewegung sorgten.
Der Report bewertet diese Termine nicht und leitet keine Erwartung ab; er ordnet im Rückblick ein, was messbar war. Die nächste Ausgabe erscheint Ende August mit den vollständigen Juli-Zahlen.
Methodik und Datenstand
Datenstand: Marktdaten bis 24.07.2026, Redaktionsschluss 26.07.2026
Alle Kennzahlen stammen aus den in den Quellen genannten Veröffentlichungen von CBOE, EUREX, Deutscher Börse, FINRA und BLS sowie aus öffentlichen Index- und Kursdaten. Als rechnerisch gekennzeichnete Werte (der Q2-Anteil von rund 61 %, die Monatsbilanz des SPX von rund -1,2 %, der OEXP-Volumenanteil) sind eigene Ableitungen aus diesen Primärzahlen.
Nicht verfügbar waren zum Redaktionsschluss: der VIX1D-Monatsverlauf, die ODAP- und OEXP-Monatsvolumina für Juni und Juli sowie die CBOE-Juli-Statistik (erscheint Anfang August). Diese Lücken werden in der nächsten Ausgabe geschlossen, soweit die Daten dann vorliegen.
Häufige Fragen zur Juli-Ausgabe
- Wie hoch ist der 0DTE-Anteil am SPX-Volumen 2026?
- Die jüngste von der CBOE selbst ausgewiesene Anteilszahl stammt aus dem Februar 2026: 63 % des SPX-Optionsvolumens entfielen auf 0DTE-Kontrakte, ein Rekord. Für das zweite Quartal nennt die CBOE nur absolute Werte, 3,1 Mio. 0DTE-Kontrakte bei 5,1 Mio. SPX-Kontrakten pro Tag; rechnerisch entspricht das rund 61 %. Der Juni brachte mit 3,3 Mio. 0DTE-Kontrakten pro Handelstag einen neuen Monatsrekord.
- Was hat die Volatilität im Juli 2026 getrieben?
- Der Juli zerfiel in zwei Phasen. Bis zur Monatsmitte notierte der VIX nahe dem unteren Ende seiner Spanne um 15. Ab dem 16.07. sorgten erst ein Abverkauf bei Chip- und KI-Werten und ab dem 23.07. der Ölpreissprung Richtung 100 USD nach der Iran-Eskalation für einen Anstieg bis auf ein Vier-Wochen-Hoch; die Monatsspanne reichte von rund 15 bis knapp 21.
- Was bedeutet der Wegfall der Pattern-Day-Trader-Regel für 0DTE?
- Seit dem 04.06.2026 ersetzt eine Intraday-Margin-Anforderung die alte 25.000-USD-Schwelle für Daytrader in den USA. Aktive Konten unterhalb dieser Schwelle können damit wieder unbegrenzt Intraday-Trades stellen. Die CBOE nennt diese Änderung ausdrücklich als einen Treiber der wieder gestiegenen Privatanleger-Aktivität im zweiten Quartal. Für deutsche Anleger bei US-Brokern kann sich das je nach Broker-Umsetzung ebenfalls auswirken.
- Wie liefen die EUREX-Tagesoptionen auf DAX und EURO STOXX 50?
- Die Tagesoption auf den EURO STOXX 50 (OEXP) hat sich mit 21,6 Mio. Kontrakten seit dem Start 2023 und zuletzt rund 31.000 Kontrakten pro Tag als viertaktivstes Index-Optionsprodukt der EUREX etabliert. Die DAX-Tagesoption (ODAP) bleibt mit rund 2.300 Kontrakten pro Tag eine Nische, konzentriert sich aber am stärksten auf den Verfallstag: 62 % ihres Volumens entfallen auf 0DTE.
Quellen und Belege
- CBOE Insights, State of the Options Industry Q2 2026 (0DTE-Wachstum, Retail, Blocktrades), 21.07.2026Primärquelle (Börse)
- CBOE, Handelsvolumen Juni 2026 (SPX-0DTE-Monatsrekord 3,3 Mio. ADV, Q2-Rekorde), Pressemitteilung 06.07.2026Primärquelle (Börse)
- CBOE, Handelsvolumen Februar 2026 (0DTE-Rekordanteil 63 % am SPX-Volumen), Pressemitteilung 04.03.2026Primärquelle (Börse)
- EUREX, Daily Options auf DAX (ODAP) und EURO STOXX 50 (OEXP), Produkt- und StatistikseitePrimärquelle (Börse)
- EUREX, Circular 4844340: Erweiterung der OEXP-Verfälle auf 10 aufeinanderfolgende Handelstage zum 05.01.2026Primärquelle (Börse)
- Deutsche Börse, EUREX-Volumen Juni 2026 (236,6 Mio. Kontrakte, +32 % zum Vorjahr), 07.07.2026Primärquelle (Börse)
- FINRA, Intraday-Margin statt Pattern-Day-Trader-Regel (wirksam ab 04.06.2026), Investoren-Hinweis 20.04.2026Primärquelle (Regulierer)
- US Bureau of Labor Statistics, Verbraucherpreisindex Juni 2026, veröffentlicht 14.07.2026Primärquelle (Behörde)
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